Rund 40 % fallen bei der MPU durch. Viele machen den nächsten Fehler: Sie versuchen es einfach nochmal – ohne etwas zu ändern. Das führt fast immer zum zweiten Durchfallen.
Wenn Sie die MPU nicht bestanden haben, ist das zunächst ein Schock. Viele Betroffene wissen nicht, wie es jetzt weitergeht – und machen genau in dieser Situation die nächsten Fehler.
Auf dieser Seite erfahren Sie, warum viele bei der MPU durchfallen und was Sie jetzt konkret tun sollten, um beim nächsten Versuch zu bestehen.
Wichtig zu wissen: Sie sind damit nicht allein. Ein erheblicher Teil der Teilnehmer besteht die MPU beim ersten Versuch nicht. Ein negatives Gutachten bedeutet nicht das Ende – aber es zeigt klar, dass noch etwas Entscheidendes fehlt.
Ich unterstütze seit über 16 Jahren Menschen bei der Vorbereitung auf die MPU und kenne die häufigsten Gründe für ein negatives Gutachten aus der Praxis. Ich musste 2008 selber als Betroffener zur MPU antreten. Deshalb weiß ich sehr genau, wie man sich davor fühlt!
Besonders häufig scheitern Kandidaten im psychologischen Gespräch.
Gehen wir das also der Reihe nach durch:
Im negativen Gutachten wurde ja ganz offiziell festgestellt, dass Sie nicht fahrtauglich sind und deshalb bis auf weiteres nicht am Straßenverkehr aktiv teilnehmen dürfen.
Das wissen Sie jetzt, und der MPU-Gutachter weiß es auch. Ich meine, das reicht. Oder sind Sie etwa früher in der Schulzeit mit einem Schild um den Hals rumgelaufen: Ich habe in Mathe eine 5 geschrieben!
Falls Sie überlegen das negative Gutachten bei der Führerscheinstelle abzugeben: Was soll das bringen? Der dortige Sachbearbeiter würde es in Ihrer Führerscheinakte abheften, und dort würde es 10 Jahre lang bleiben. Glauben Sie wirklich das wäre in Ihrem Interesse?
Trotzdem machen das erstaunlich viele - aus purer Ahnungslosigkeit und Autoritäts-Gläubigkeit!
Das können Sie aus dem Gutachten entnehmen. Im weiter hinteren Teil nach der Dokumentation Ihres Gesprächs mit dem psychologischen Gutachter finden Sie seine Auswertung: Was war gut? Was ist nicht auf seine Zustimmung gestoßen und warum?
Obwohl die Vorgabe ist, dass er allgemein verständlich schreiben soll, ist es nicht immer so ganz leicht zu verstehen für Laien.
Es kann sein, dass Ihr erster Impuls ist: "Boah, so hab ch das doch gar nicht gesagt!" - Lesen Sie es nochmals in aller Ruhe durch: Es kommt gar nicht so selten vor, dass Sie etwas vielleicht anders gemeint haben, aber es ist anscheinend "nicht so rüber gekommen" ist, wie Sie das jetzt in der Erinnerung haben.
Ich biete ja ein kostenloses Erstgespräch per Video-Konferenz oder telefonisch an. Schicken Sie mir doch einfach das negative Gutachten per Email zu (einfach mit dem Handy abfotografieren). Ich schaue es durch, und dann vereinbaren wir einen Termin, wo ich Ihnen gena¨sagen kann, woran es bei Ihrer Begutachtung gehakt hat.
Dazu ein Hinweis: Als Psychologe bin ich an die Schweigepflicht gebunden. Sie können sich zu 100 % darauf verlassen, dass alles vertraulich behandelt wird!
Eine positive Prognose darf Ihnen der Gutachter ja nur dann geben, wenn Sie das problematische Verhalten, wegen dem Sie bei der MPU waren, dauerhaft abgestellt haben. Wirklich sicher beweisen lässt sich das natürlich nur selten.
Deshalb wird Ihre Glaubwürdigkeit ganz entscheidend sein. Es reicht nicht, wenn Sie "hoch-heilig und beim Barte des Propheten" versichern, dass Sie das wirklich nie, nie wieder tun werden.
Jeder Psychologe weiß aus vielen konkreten Erfahrungen, dass zwischen Absicht und dem tatsächlichen Verhalten oft ein erheblicher Widerspruch besteht:
"Ich wollte ja wirklich ganz fest, aber dann kam ja ganz überraschend dazwischen… - und dann konnte ich ja leider absolut nicht, das müssen Sie doch verstehen…"
Deshalb wird der Gutachter sehr aufmerksam Ausschau halten nach echten Veränderungen im Lebenszusammenhang, durch die das alte unerwünschte Verhalten seinen Reiz verloren hat oder etwas ganz Neues an diese Stelle getreten ist, das mindestens genau so attraktiv ist.
Herr T. zeigt Fotos von einer Alpentour mit dem Fahrrad mit einer Gruppe, zu der er Kontakt bekommen hat in der Zeit, als er ohne Führerschein war. Sie sind inzwischen oft zusammen unterwegs. Das macht nur Spaß, wenn man auch wirklich fit ist und gut mithalten kann. Die früheren ausgedehnten Kneipentouren am Freitag Abend haben da gar keinen Platz mehr. Er wundert sich jetzt, was ihm daran überhaupt gefallen hat.
Natürlich muss nicht jeder gleich ein begeisterter Radler werden, um die MPU zu bestehen. Das war ja nur ein Beispiel, aber es zeigt gut den Unterschied zwischen nur behaupteten Veränderungen und überzeugenden Beispielen.
Überlegen Sie ernsthaft, was bei Ihnen tatsächlich anders geworden ist seit dem entscheidenden Delikt. Wenn es sich nicht nur um schöne Pläne und Versprechungen handelt, sollte sich auch etwas finden lassen, das als überzeugendes Beispiel taugt!
Aus dem negativen Gutachten konnten Sie ja entnehmen was hauptsächlich bemängelt wurde. Darauf sollte jetzt Ihre Aufmerksamkeit liegen. Wie die MPU insgesamt abläuft wissen Sie ja jetzt. Das ist schon mal ein großer Vorteil. Sie müssen das Rad ja nicht neu erfinden.
Beheben Sie den entscheidenden Mangel möglichst deutlich, der zum Durchfallen geführt hat - dann sollte jetzt eigentlich nichts mehr schief gehen!
Anders als bei der HU Ihres Autos (also wenn Sie alle 2 Jahre damit "zum TÜV müssen") gibt es bei der MPU keine reduzierte Nachprüfung, sondern die ganze Prozedur einschließlich ärztlichem Teil, Reaktionstests und dem vollständigen 1-stündigen psychologischen Teil wird so durchgezogen wie beim ersten Mal!
Das ist auch der Grund, warum ich empfehle, dass Sie das negative Gutachten nicht abgeben sollen:
Nach einer nicht bestandenen MPU ist es entscheidend, systematisch vorzugehen:
Der größte Fehler wäre, die MPU einfach "noch einmal zu versuchen", ohne etwas zu ändern.
Grundsätzlich können Sie die MPU jederzeit wiederholen. In der Praxis ist es jedoch sinnvoll, sich ausreichend Zeit für eine gezielte Vorbereitung zu nehmen.
Negative Gutachten entstehen nicht, weil jemand „durchfallen soll“, sondern weil die notwendige Veränderung nicht überzeugend dargestellt wurde. Mit einer gezielten Vorbereitung können Sie genau an diesen Punkten arbeiten.
Viele Betroffene reagieren emotional und treffen vorschnelle Entscheidungen:
Das führt oft zu einer zweiten negativen MPU – und damit zu deutlich höheren Kosten.
Entscheidend ist, dass Sie beim nächsten Versuch eine klare Entwicklung zeigen können:
Eine nicht bestandene MPU ist kein endgültiges Scheitern, sondern ein Hinweis darauf, dass noch etwas fehlt. Wer die Gründe versteht und gezielt daran arbeitet, hat beim nächsten Versuch sehr gute Chancen.
Nutzen Sie die Zeit bis zur nächsten MPU sinnvoll für eine gute Vorbereitung.
Das kann natürlich unterschiedliche Gründe haben. Fast alle kann man einer der folgenden Ursachen zuordnen:
Damit ist Ihre Glaubwürdigkeit dahin. Und Sie wissen ja: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht!
Bei Herrn L. wurden 2 ‰ gemessen. Er behauptet felsenfest, dass er wirklich nur 2 Bier mit 0,5 l getrunken hatte. Der Gutachter berechnet mit der Widmark-Formel, die bei Alkohol-MPU verwendet werden muss, dass Herr L. sogar im allergünstigsten Fall nur ungefähr 25 kg wiegen dürfte, wenn seine Angabe stimmt. Ihm sitzt aber ein Mann gegenüber, der gute 2 Zentner wiegen dürfte. - Glaubwürdigkeit also gleich null!
Dem Gutachter liegt bei der MPU ja Ihre Führerscheinakte vor. Dort ist allerlei festgehalten, z.B. Messwerte, Zeugenaussagen, Ihre eigenen Angaben und anderes mehr. Sie hatten schon Gelegenheit dagegen Widerspruch einzulegen, wenn Sie der Ansicht waren, dass das nicht stimmt. Dafür gibt es amtlich festgelegte Fristen (oft sind das 2 Wochen oder 1 Monat). Wenn Sie diese Frist verstreichen lassen oder Ihr Widerspruch abgelehnt wird, bleibt der Eintrag jetzt unanfechtbar in Ihrer Akte stehen.
Wenn Sie jetzt behaupten, das würde alles gar nicht stimmen und sei ganz anders gewesen, sägen Sie ganz kräftig am eigenen Ast. Es steht so zu sagen Behauptung gegen Behauptung. Wenn nur eine davon richtig sein kann, weil sie sich widersprechen, hat der Gutachter jetzt ein Problem: Er hat keine Möglichkeit in der kurzen ihm verfügbaren Zeit den Widerspruch aufzulösen - mit dem Ergebnis, dass die MPU wegen nicht zu klärender Differenz nur negativ ausfallen kann!
Das ist der mit Abstand häufigste Grund für ein negatives Gutachten: Oft erkennt der Gutachter zwar positive Ansätze, aber alles bleibt ihm einfach zu sehr an der Oberfläche. Es reicht ihm nicht, um mit Überzeugung zu sagen: "Ja, diese/r Mann/Frau hat wirklich verstanden, wie es zu dem problematischen Verhalten kam und er/sie hat so viel grundlegend verändert, dass ein Rückfall in alte Gewohnheiten unwahrscheinlich ist."
Das ist auch einer der Gründe, warum ich Ihnen professionelle Vorbereitung auf die MPU ans Herz legen möchte: Als Verkehrspsychologe bin ich mit der typischen Denkweise der MPU-Gutachter vertraut und kann Sie ganz gezielt mit Fragen konfrontieren, die Ihnen bei der Begutachtung begegnen werden.
Es kann sein, dass Sie beim Durchlesen des negativen Gutachten einen ganz klaren Fehler entdecken, der entscheidend dafür war, dass Sie durchgefallen sind, und der sich leicht abstellen lässt. Dazu ein Beispiel:
Ganz so schnell sollte man das Problem aber nicht vom Tisch wischen. Frau W. sollte unbedingt genauer drüber nachdenken, warum es zu der falschen Angabe kam:
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